Zum dritten Mal kamen in Ostfildern auf Einladung von Oberbürgermeister Christof Bolay Vertreter der Haupt- und Realschulen, der Jugendarbeit, der Kammern, der Arbeitsagentur, der BDS, die Ausbildungsleiter örtlicher Firmen sowie Verantwortliche der Stadtverwaltung zu einem Runden Tisch Ausbildung zusammen. Themen waren unter anderem aktuelle Entwicklungen auf dem Ausbildungsmarkt und ein Bericht des Ikeros-Jugendbüros.
Ralph Rieck, Katrin Kampermann und Svenja Sinn zogen eine Bilanz über die bisherige einjährige Arbeit des Ikeros-Jugendbüros. Das Jugendbüro am Herzog-Philipp-Platz hat sich zu einer zentralen Informations- und Kontaktstelle für Jugendliche zu berufsbezogenen Fragen entwickelt. Junge Menschen können sich in den Räumen des Jugendbüros zu Ausbildung und Beschäftigung, zu Bewerbungsfragen, zur Berufswahl oder zwecks Praktika informieren. Das Jugendbüro arbeitet hierzu eng mit den Schulen, dem Sozialem Dienst, der Agentur für Arbeit, die vor Ort Berufsberatungen durchführt, und dem Berufsausbildungszentrum Esslingen (BAZ) zusammen.
An präventiven Maßnahmen des Jugendbüros bestehen zahlreiche früh ansetzende Schulkooperationen. Hierzu gibt es eine Kompetenzwerkstatt für die 7. Klassen der beiden Hauptschulen oder Patenschaften mit Ehrenamtlichen, die die Schüler bei der Bewerbung und Ausbildungsplatzsuche unterstützen. Hinzu kommen Schülerberatungen in den 9. Klassen, Nachhilfe- und Sprachförderangebote. In der nächsten dreijährigen Phase, für die Fördermittel in Höhe von 315.000 € aus dem Europäische Sozialfonds zur Verfügung stehen, werden die meisten bisherigen Projekte weitergeführt. Hinzu kommen ein Sprachförderkonzept und die Gründung eines Ausbildungsverbundes mit dem Ziel der Schaffung von 20 zusätzlichen Ausbildungs- und Lernmöglichkeiten in Ostfildern.
Ein weiteres Thema des Runden Tisches waren die Ergebnisse der städtischen Unternehmensbefragung zum Thema Ausbildung, die Wirtschaftsförderer Attila Galic erläuterte. 36% der befragten Firmen erwarten Schwierigkeiten, ihren zukünftigen Fachkräftebedarf zu decken. Auch das Thema Verbundausbildung müsse in Zukunft stärker unterstützt werden. Nächstes Jahr werde sich eine zusätzliche Mitarbeiterin im Jugendbüro um die Schaffung von zusätzlichen Ausbildungsplätzen in Ostfildern kümmern.
Die Organisatoren des Job-Info-Tages vom 11. Oktober konnten eine sehr positive Bilanz ziehen. Es wurde vorgeschlagen, beim nächsten Mal sich noch mehr um die Teilnahme von Handwerks- und kleineren Betrieben zu bemühen und mehr Begleit-Programme und Präsentationen anzubieten.
Das Ausbildungsjahr 2008/2009 sei grundsätzlich ein gutes Jahr. Bernd Appel von der IHK Bezirkskammer Esslingen-Nürtingen berichtete, dass 2008 zwei Prozent mehr Ausbildungsverhältnisse gegenüber dem Vorjahr geschlossen werden konnten. Das Problem sei jedoch der Fachkräftemangel und damit die Besetzung der bestehenden Ausbildungsplätze. Die IHK wird daher nächstes Jahr eine zusätzliche Stelle für den Kontakt zwischen Schule und Wirtschaft schaffen. Auch Markus Knorpp, Teamleiter Arbeitsgeberservice bei der Agentur für Arbeit Esslingen, bewertet die Situation ähnlich: im Kreis Esslingen würden mehr Einstiegsqualifizierung-Plätze angeboten, als besetzt werden können.
Dabei ist nach wie vor die Nachfrage innerhalb der Berufsbilder unausgeglichen: einige Ausbildungsberufe sind stark überfragt (z.B. Mechatroniker), andere finden kaum Interessenten und können daher zum Teil jahrelang nicht besetzt werden (wie z.B. Fleischer, Maurer, Stuckateur, Koch oder Betonstein- und Terrazzohersteller). Hier bestünde eine große Chance für viele Auszubildende, über die weniger nachgefragten, aber dennoch interessanten Berufe sich ihre berufliche Zukunft zu sichern. Knorpp stellte in diesem Zusammenhang den neuen Ausbildungsbonus der Bundesregierung vor: Firmen können einen Zuschuss von 6.000 € erhalten, wenn sie für Schüler, die seit mindestens einem Jahr bei der Ausbildungsplatzsuche erfolglos sind, einen zusätzlichen Ausbildungsplatz schaffen.
Achim Miller, Geschäftsbereichsleiter Ausbildung und Technologie beim Bildungszentrum GARP, betonte ebenso, dass in den nächsten Jahren für viele Firmen auch Hauptschüler interessant sein werden, weil es immer schwieriger werde, Fachkräfte zu finden. Die GARP nimmt 2009 am Berufsorientierungsprogramm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung teil. Hierzu werden 67 kostenlose Berufsorientierungsplätze geschaffen. Die Schüler können für zwei Wochen in Vollzeit in Begleitung der Lehrer ein spezielles Unterrichtsprogramm inkl. Praktika besuchen. Von April bis Juni stehen noch Plätze frei. Schulen und Lehrer werden gebeten, sich direkt bei der GARP anzumelden.
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